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Eine Freistunde war wirklich das Beste, was Joey gerade passieren konnte. Irgendwie konnte er sich heute nicht konzentrieren, obwohl er so ausgeruht war, wie schon lange nicht mehr. Und auch so glücklich.

Seit ihrem ersten Date war sich der Blonde sicher. Er würde Seto nicht mehr gehen lassen. Oder besser gesagt, seine Seite nicht mehr verlassen. Egal ob er ihn nun liebte oder nicht. Natürlich wäre es wundervoll, wenn der junge Firmenchef seine Liebe erwidern würde, aber darauf konnte Joey wohl nicht hoffen. Denn außer Mokuba schien Seto für Niemanden Gefühle zu haben. Auch wenn er sich so anders verhalten hatte und schon offener geworden war. Aber vermutlich war das nur durch ihre körperliche Nähe und reine Gewohnheit. Joey seufzte. Nein. Das Thema „Setos Liebe“ hatte er schon zu oft in seinem Gehirn durchgekaut. Das brachte nur Grübelei und schlechte Laune mit sich. Daher schob er es hastig beiseite. Er wollte Setos Nähe einfach nur genießen. Auch wenn Joey sich manchmal fragte, ob er selbst nicht zu offensichtlich zeigte, dass diese Beziehung für ihn mehr war als nur der Sex. Nun gut, immer konnte er nach dem Date nun sagen er schauspielere nur für die Außenwelt. Eine kleine Ausrede. Denn wer wusste schon, wie Seto auf echte Gefühle reagieren würde.
Erneut streckte sich der Blonde und lehnte sich an den Baum zurück unter dem er döste. Schon wieder so grüblerische Gedanken. Weg damit!

Doch die Ruhe wollte sich nicht einstellen. Denn gerade als Joey dachte, er könnte wegdösen, legte sich ein Schatten über sein Gesicht. Als er blinzelnd die Augen öffnete, erkannte er ein Gesicht.

„Yugi?“

„Nicht ganz.“

„Oh, hallo Yami.“ Joey lächelte als der Andere seine Hand zum Abstützen an den Baum lehnte und weiter auf ihn herabblickte. Es war selten, dass sich Yami in der Schule zeigte. Also wollte er sicher etwas besprechen.

„Sag, Joey… nachdem was an deiner Geburtstagsfeier passierte… Hast du dich danach an irgendetwas erinnert?“ Der Angesprochene spürte, wie seine Wangen warm wurden und es ihm schwer fiel Yamis Blick zu erwidern. Allein das Wort „Geburtstagsfeier“ hatte genügt. Er hatte die Sache nach einiger Zeit völlig verdrängt gehabt, war doch einfach zu viel mit Seto passiert. Aber nun, wo Yami es so direkt ansprach…

Hatte er sich denn erinnert? Und in wiefern erinnert? Ja, er hatte etwas gesehen, aber wieso sollte das eine Erinnerung gewesen sein? Außerdem war es so wage gewesen.

„Ich… Ich weiß nicht.“ Joey biss sich auf die Unterlippe, konnte aber noch immer nicht wegsehen. Sein Herz schlug auf einmal so schnell. Yamis Blick war so ernst. Hatte er sich nach dem Kuss etwas erhofft? Falls ja: Was?

„Versteh mich nicht falsch, Joey. Ich möchte dir nur helfen. Du liegst Yugi am Herzen und… mir auch.“ Der Blonde schaffte es nur zu nicken, als sich Yami weiter zu ihm herabbeugte.

„Ich möchte, dass du dich erinnerst. Dann wird er sich sicher auch erinnern.“ Er? Joey wollte fragen, was genau das alles sollte. An was er sich erinnern sollte, aber er brachte kein Wort heraus. Yami war so nah. Er spürte seinen Atem und wohl auch gleich erneut seine Lippen. Wieso tat er nichts dagegen?

„Was glaubst du, tust du da mit meinem Puppy?“ Die tiefe Stimme durchschnitt förmlich die Luft und ließ Yami sofort aufhorchen, während der Blonde zusammen zuckte.

Keiner von Beiden hatte Setos Anwesenheit bemerkt. Wo war er nur hergekommen?

„Ich wollte ihm nur helfen.“ Yami löste sich vom Baumstamm und erwiderte Setos stechenden Blick ohne Angst.

„So sieht bei dir also Hilfe aus. Interessant. Dann verzichte in Zukunft darauf. Falls du keinen Fernseher hast, sage ich es dir gerne direkt: Der Puppy gehört zu mir. Also lass deine Finger von ihm.“

Joey konnte nur blinzeln und sein überraschtes Herz kam gar nicht mehr zur Ruhe bei Setos bestimmenden Worten. Auch wenn er nicht wollte, dass er wütend auf Yami war.

„Joey entscheidet immer noch selbst, was er möchte oder zu wem er gehört.“ Setos Mundwinkel verzogen sich zu einem unheimlichen Grinsen und der Blonde schluckte unweigerlich.

„Ich denke, das hat er bereits, falls du es noch nicht mitbekommen hast.“ Mit diesen Worten ergriff der Brünette den verwirrten Joey am Arm und zog ihn auf die Beine, um ihn ernst anzublicken. Joey verstand nicht. Er wollte sich nicht gegen seinen besten Freund stellen, aber Seto wollte er auch nicht verlieren. Nicht, wo es gerade so gut lief.

„Dann pass gut auf ihn auf, Kaiba. Die Zukunft ist schon seit jeher unvorhersehbar.“ Das breite Grinsen, das Yami ihnen nun präsentierte, entsetzte Joey. So eine Antwort hatte er nicht erwartet gehabt. Doch dieser wandte sich nur um und ging, ohne eine Antwort von Seto abzuwarten, davon.

„Du wirst ihn nicht wiedersehen.“

„Was?!“ Joey riss seinen Arm endlich aus Setos Griff los und blickte ihn fassungslos an.

„Du hast mich schon verstanden.“ Setos Blick war noch immer finster, doch das schüchterte den Blonden nun nicht mehr ein.

„Das kannst du nicht verlangen. Er ist mein bester Freund!“

„Das ist mir egal.“

„Mir aber nicht! Ich lasse mir von dir nicht vorschreiben, wen ich treffe!“

„So?“ Seto hob seine Hand und gleich darauf Joeys Kinn leicht an. Er grinste.

„So wild entschlossen war mein Puppy ja lange nicht mehr.“ Joey spürte, wie er ein weiteres Mal an diesem Tag rot wurde und schob Setos Finger weg.

„Lass das. Du weißt genau wie gut Yugi und ich befreundet sind.“

„Genau das ist das Problem.“ Joey wurde langsam wirklich wütend. Was bezweckte Seto mit diesen Worten?

„Seit wann?“

„Seit er sich an dich ran macht! Wie stehe ich denn da, wenn das Jemand sieht?“

„Eifersüchtig?“ Eigentlich war dieses Wort nur aus Trotz und mit Spott versehen aus Joeys Mund gekommen. Immerhin hatte Seto ja gerade erst von SICH gesprochen und nicht von ihnen und ihrer neuen Beziehung. Doch die Reaktion des Brünetten war schon beinah ein kleiner Schock.

„Vielleicht.“

Joey blinzelte verwirrt über dieses kleine Wort, das doch so viel Kraft besaß. War das Setos Ernst?

„Immerhin hast du ihn nicht davon abgehalten sich dir zu nähern.“ Der Brünette zog den Kleineren an seiner Hüfte dichter an sich heran, um seine Lippen dicht an Joeys Schläfe zu bringen.

„Das war nur… weil…“ Joey fehlten die Worte. Er wusste gerade nicht was er denken und glauben sollte. Und er war sich auch nicht sicher, wieso er Yami nicht einfach weggestoßen hatte. Er war so in seinem Bann gefangen gewesen.
Außerdem machte ihn Setos intime Nähe mitten auf dem Schulgelände noch immer nervös.

„Weil?“

„Ich… Ich würde dich nie hintergehen.“ Joeys rechte Hand wanderte ganz unbewusst an Setos Schuluniformjacke und krallte sich daran fest, während die andere sich auf seinen Oberarm legte.

„Ach ja?“ Auch Setos Lippen waren gewandert und zwar zu Joeys Ohrläppchen, was ihn erschaudern ließ. Seine Stimme klang so tief und rau. Das erregte den Blonden immer wieder.

„Na ja… wir… wir sind doch jetzt… offiziell… zusammen. Da wäre das… Betrug.“ Joeys Augen schlossen sich als die Lippen des Brünetten während seiner Worte zu seinem Halsansatz wanderten. Er biss sich auf die Lippen, um nicht aufzuseufzen.

„Das hast du gut verstanden.“ Irgendwie wollte Joey nichts lieber als das Setos Lippen ihre Wanderung fortsetzten, aber eigentlich sollten sie das hier nicht tun.

„Seto… wir…“

„Schhh…“ Der Finger des Brünetten hatte Joeys Lippen gefunden und legte sich nun sanft darauf, was den Blonden seine Augen öffnen ließ, nur um sie einige Sekunden später wieder zu schließen als der junge Firmenchef seinen Finger durch seine Lippen ersetzte.

Der Kuss war ruhig und so gefühlvoll. Beinah so als würde Seto diese Intimität einfach nur genießen und Joey folgte seinem Rhythmus bereitwillig. Allerdings konnte er sich nun ein leises Stöhnen nicht verkneifen. Wie einfach es doch für Seto war ihn zu zähmen. Das war ja beinah peinlich.

 

 Fortsetzung folgt~

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